Was geht mich eure Geschichte an?

70 Jahre Erinnerung an Auschwitz. Die Vergangenheit ist pädagogische Verpflichtung. Im Rahmen der Arbeit als Verbindungslehrer und im Rahmen unserer Aktitvtiäten als Schule ohne Rassimus führten wir ein Projekt durch, welches genau aus dieser Verpflichtung heraus entstand.

Daher veröffentliche ich hier meinen Artikel für die Mitteilungen des Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg in Ulm (http://dzokulm.telebus.de/index1.html).

Was geht mich eure Geschichte an?“

Die Friedrich-Uhlmann-Werkrealschule, eine Schule ohne Rassismus – eine Schule mit Courage, aus Laupheim konnte gemeinsam mit dem DZOK und coaches aus Film und Musik ein antirasisstisches, demokratisches und zukunftsgewandtes Projekt durchführen, welches beeindruckend motivierend und zielgruppenorientiert ist: „Was geht mich eure Geschichte an?“. Die Schülerinnen und Schüler der 9.Klasse wurden durch Fr. Lein so durch das KZ geführt, dass jedem Einzelnen der Zugang zu den erschreckenden Geschehnissen auf dem Kuhberg möglich wurde. Nachdem Jede und Jeder einen individuellen emotionalen Eindruck hatte, wurde auf dieser Basis zweieinhalb Tage lang in zwei künstlerischen Gruppen gearbeitet. In der Filmgruppe wurden die Eindrücke filmisch verarbeitet und umgesetzt. In der Musikgruppe wurden Rap-Texte in Deutsch geschrieben und dann als Sprechgesang im Studio auf einen Beat aufgenommen. Diese beiden Ergebnisse wurden dann in einem Musikvideo zusammengebracht.

Der schulische, der bildende Auftrag, ist ein demokratischer, also antifaschistischer Auftrag. Somit sind solche Projekte eigentlich nur ein logischer Schritt schulischer pädagogischer Arbeit.

Ich schlage einen Bogen von Laupheim nach Ulm. Dort arbeitet derzeit eine Initiative daran Stolpersteine in Ulm zu installieren. Stolpersteine erinnern durch Gedenktafeln im Boden an den letzten selbstgewählten Wohnorten an die Opfer der NS-Zeit. Ich sprach dieses Wochenende mit einer Frau darüber. Sie fragte, welchen Bezug zur heutigen Zeit das denn habe, warum man denn die Opfer nicht einfach Opfer bleiben lassen könnte, was das ganze den für die heutige Zeit bringen sollte?

Solche Fragen müssen beantwortet werden und können beantwortet werden. Und zwar laut und deutlich. Im Projekt „Was geht mich eure Geschichte an?“ wurden die Schülerinnen und Schüler zu genau diesen Fragen geführt.

Sie erinnern sich an die Frage, die ich beantworten sollte und die auch die Schülerinnen und Schüler stellten: Was geht mich eure Geschichte an? Warum sollen wir uns mit diesen Sachen beschäftigen? Was hat das mit mir heute zu tun? Mit uns? Im schulischen Kontext geht es sehr häufig um diese Fragen bei der schulischen Be- und Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland. Man hätte doch gar nichts damit zu tun, sei doch selbst eigentlich kein Deutscher – also somit auch nicht verantwortlich – oder Einzelne geben zu Protokoll, dass man das nicht schon wieder hören will.

Aber diese Fragen nach dem Bezug zum eigenen Leben und der eigenen Zukunft stellen sich nicht nur auf der Grundlage eines möglichen Migrationshintergrundes. Das sind Fragen, die sich viele stellen und mancher nicht beantworten kann.

Die Klasse 9 der FUS ist im KZ Kuhberg in Ulm diesen Fragen nachgegangen. Es geht irgendwie doch um die Freiheit, sagte ein Schüler zu mir während wir im KZ Kuhberg arbeiteten. Treffend formuliert. Es geht um die Freiheit. Die jedes Einzelnen.

Es macht Mut die Zukunft zu gestalten, anzupacken. Eben nicht so zu werden, wie die waren. Sich einzusetzen für Andere, das macht Sinn. Wehret den Anfängen, denn der Schoß ist fruchtbar noch.

Durch solche Projekte gestalten wir die Zukunft mit und wir gestalten sie richtig. Der schulische Auftrag und auch der der Gedenkstätten ist es unter Anderem das Vergessen und Verdrängen zu verhindern und durchhaltend und nachhaltig zu erinnern und individuelle Zugänge zu ermöglichen. Der schulische Auftrag muss aber noch weiter gehen. Wir müssen den jungen Menschen in der Schule immer wieder den Wert der Demokratie, den Wert der Menschenrechte und den Wert der Freiheit erklären, aufzeigen, erläutern – aber vor allem: diese Werte leben und erleben lassen. Lassen wir die jungen Leute sich selbst Gedanken dazu machen, sollen sie ihren Weg selbst gehen. Wir helfen bei der Richtung und geben Anstöße. Das Projekt „Was geht mich eure Geschichte an?“ ist ein sehr gelungener Anstoß, der noch lange nachhallt und den teilnehmenden jungen Menschen Erfahrungen ermöglicht hat, die ihnen sonst verwehrt bleiben würden.

Tom Mittelbach

Verbindungslehrer Friedrich-Uhlmann-WRS Laupheim

http://www.fus-laupheim.de/projekte-von-klassen/kz-projekt-der-kl-9b/

Das Video der ersten Schule, die dieses Projekt durchführte: https://www.youtube.com/watch?v=HIUjexiywqc

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