Respekt, Alter.

Respekt geben, wenn man Respekt bekommt. Das durchzieht die gesamte Diskussion mit Jugendlichen Schüler*innen zum Thema Respekt. Die Definition von Respekt ist aller Welt tauglich. So wird Respekt definiert mit Respekt vor den Älteren, Respekt vor Erwachsenen oder auch und das hat mich überrascht, der Respekt vor Wissen. „Wenn jemand schlau ist, Herr Mittelbach, dann hab ich vor dem schon Respekt!“.

Witzig wurde es unter anderem bei der Frage, in wie weit sich man den Respekt verdienen kann und vor allen Dingen wie man das machen kann. Die vor testosteronstrotzenden jungen Männer waren sich sehr einig, dass dies durch Muskelkraft und aggressive Abschreckung erreicht werden kann. Sehr interessant, aber nach meiner Zeit auf der Straße als Streetworker mir nicht neu, war, dass die jungen Mädchen in punkto Agressivität und streetcredibility den Herren in nichts nach standen. Völlig klar scheint allen Schüler*innen zu sein, das mangelnder Respekt ihnen gegenüber durchaus mit Aggression beantwortet werden muss. Das mangelnder Respekt nicht dadurch verändert wird, dass man dem anderen respektlos gegenüber tritt, passt noch nicht in deren Weltbild.

Um Respekt anderen gegenüber zeigen zu können, verlangen diese jungen Menschen zuerst einmal Respekt entgegengebracht zu bekommen. Und hier liegt der schulische casus knacksus. Die Schüler*innen, die immer wieder auf das respektlose Verhalten des Kollegen XY ihnen gegenüber verweisen, sind diejenigen Schüler*innen, die auf der Liste der Respektlosen die oberen Plätze belegen.

Wie diesen Knoten lösen? Liegt es an unserem Schüler*innen, die an der Werkrealschule sicher einen höheren streetcredibility-Wert als Andere haben? Liegt es an unzureichenden Erfahrungen im Elternhaus und dem sozialen Umfeld? Oder kann man Respekt nicht einfach per se erwarten? Haben wir in unserer Jugend alle Lehrer*innen respektiert? Wie sind wir damit umgegangen? Wie gehen die Kids heute damit um?

Ich plädiere für eine ausgeprägte Gelassenheit. Selbstverständlich gibt es Grenzen und die müssen eingehalten werden. Respekt ist nicht gleichzusetzen mit anständigem ordentlichen Verhalten. Respekt ist etwas Größeres und Selteneres.

Was verlangen Lehrkräfte, die mangelnden Respekt beklagen? Ich glaube, dass sie nach Disziplin verlangen. Sie verlangen nach Ruhe, Ordnung, Fleiß und anständigem Benehmen. Und somit landen wir wieder am Punkt, den Hattie bestätigte (und ich als ehemaliger aufsuchender Sozialarbeiter sofort unterschreibe): the teacher matters. Wenn die Beziehung, und die ist das allerste, nicht zustande kommt, dann wird das mit dem Respekt auch nichts. Mit anständigem Verhalten unter Umständen. Wikipedia definiert Respekt wie folgt: „Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution.“ Da haben wir es. Wertschätzung.

Und so schließt sich der Kreis. Wenn ich als Pädagoge Respekt gebe und Respekt bekommen will, dann muss ich einen Wert haben. Und wertvoll wird man durch Beziehung. Und Beziehung ist meiner Meinung nach etwas, dass man professionell gestalten kann. Man kann Allen freundlich und respektvoll begegnen. Man kann reflektieren und Ziele formulieren. Aber man kann auch nicht aus seiner Haut. Und jetzt wird klar: Entweder man will die Beziehung und sich einlassen oder eben nicht. Und genau das, dieses ehrliche Interesse, die Kongruenz des Verhaltens und des täglichen Tuns, das merken die Schüler*innen sehr gut. Respekt ist somit Audruck von Beziehungsaufrichtigkeit, ehrlichem Interesse und einer inneren Haltung gegenüber den Schüler*innen.

Schaut auch mal hier: blog schulemitrespekt

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