be a shining person. Vom Humor in der Pädagogik.

Das Humor gesund sein soll, das ist ja hinlänglich bekannt. Was das mit dem Humor noch auf sich hat führte der Klinikclown, Therapeut, Seelsorger und Mitarbeiter bei Eckart von Hirschhausen Ludger Hoffkamp in einer dreistündigen wunderbaren Fortbildung zum Thema Humor und Motivation aus.

Trotzkraft des Geistes – vom Humor

Die Gesellschaft will Fehler nicht, das System Schule ist nur bedingt mit einer Fehlerkultur ausgestattet. Viele Lehrkräfte, so seine Aussage, spielen eine Rolle. Sie versuchen jemand zu sein, der sie nicht sind. Die Antwort: Don’t play, be yourself. Die Lehrkraft muss echt sein, sie muss kongruent und erlebbar sein. Humor ist eine Grundlage für gelingende Beziehungen. Wie wir aus der Hattie-Studie wissen, ist die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer extrem wichtig für das Gelingen von Lernen und Bildung.

Auch müsse man viel mehr im Hier und Jetzt leben, die Zeit Zeit sein lassen sowie damit anzufangen die schönen Dinge zu betrachten und nicht das Negative. „Scheiße bleibt Scheiße, auch wenn man drin rührt.“, so der treffende Satz zur in der Schule fast manischen Konzentration auf das Falsche, das Fehlende oder das Fehlverhalten eines Schülers („Wunden heilen besser, wenn man sie lässt!“). Reduktion auf das positive Wesentliche, das sei das Gebot der Stunde. Die Konzentration auf das Lösen der Probleme legen, nicht in das Problem fragen, sondern aus dem Problem heraus.

In einem heute nicht mehr erlaubten Experiment, dem still face Experiment, spielt eine Mutter mit ihrem kleinen Kind, sie zeigt auf Gegenstände, sie fast das Kind an, sie schaut es vor allem an und lacht und spricht. Dann dreht sich die Mutter weg und dreht sich wieder mit völlig teilnahmslos leerem Gesicht wieder zu dem Kind zurück. Zuerst einmal staunt das Kind, es reißt die Augen auf. Dann beginnt das Kind sich um die Mutter zu bemühen, es fängt an zu lachen, es greift, es wendet verschiedene Taktiken an um wieder die Mutter zurück zu bekommen. Als das kleine Kind nicht mehr weiter weiß schaut es an die Deccke und beginnt dann zu weinen – es gibt auf.

Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Ausgrenzung und Ablehnung fast genauso stark schmerzen wie echter körperlicher Schmerz. Dazuzugehören ist entscheidend für die persönliche Entwicklung, für das Selbstwertgefühl und den Zustand der eigenen Identität. Nach dem ich das Video angeschaut habe kamen mir als erstes die Ausgeschlossenen, die Einzelgänger an der Schule in den Sinn. Wieviel mehr muss jeder in jeder Schule sich um die Ausgeschlossenen bemühen! Open minded und open hearted auf sie zugehen und sie rein- und ranholen an die Gemeinschaft. Das ist eine der bedeutenden und wichtigsten Aufgaben der Lehrer*innen! Nur leider gibt es immer noch zu viele, die das gar nicht können und noch schlimmer, die es gar nicht wollen. Die Schüler*innen abstempeln und ihnen keine Chance mehr geben. Die die Kinder sehenden Auges aufgeben.

Eigentlich sollen die Spiegelneuronen genau das verhindern. Die Spiegelneuronen ermöglichen uns mitzufühlen, sie gehören zur Grundausstattung unseres Gehirnes und lassen uns empathisch sein. Sie lassen uns mitfühlen, bei einem traurigen Film weinen oder andere trösten, weil wir gemerkt haben, dass sie traurig sind. Wenn der Lehrer um die Spiegelneuronen weiß, dann muss er genau dort ansetzen. „Be a shining person!“, so der Erfinder der Klnikclowns Michael Christensen. Der Lehrer muss eine positive Ausstrahlung haben. Zu einer freundlichen und lächelnden Person fühlt man sich hingezogen.

Für mich war diese Fortbildung emotional spannend und sehr bemerkenswert. Mit einfachen Veränderungen wie dem Aufsetzen einer Clownsnase wird eine völlig neue positive Situation geschaffen, kleine Dinge erzeugen eine große Wirkung. Selbstverständlich müssen wir in der Schule keine Clownsnasen aufsetzen, obwohl das auch mal was wäre, nein, wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass wir durch kleine Änderungen Großes bewirken können. Ein echtes Lächeln, ehrliche Zuwendung oder ein wahrhaftiges Lachen tun mir gut und tun Anderen gut. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und das Menschliche noch stärker in den Fokus zu nehmen, das ist die Aufgabe!

Für das Leben im ganz Allgemeinen und das eigene Familienleben gab es auch noch einen Satz, den ich nicht vergessen habe: „Man kriegt die Kinder, die man erzogen hat.“.

Und jetzt morgen wieder ab in die Schule. Als shining person. Immer nach dem Rezept: Ärger, den man nicht gehabt hat, den hat man nicht gehabt.

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