Echt, Alder?

„Da ist ein Junge bei Gazellen aufgewachsen, der kann schneller als Usain Bolt laufen, so 6,7 Sekunden. Musste der ja, ist ja mit Gazellen aufgewachsen. (..) Woher ich das weiß? Hab‘ ich aus dem Internet.“

Lernender 5.Klasse 

Die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung (gewollt wie nebenbei) sind für Lernende mit einem Smartphone und Internetzugang heute schier unbegrenzt. Doch ist das Internet keine Bibliothek. In einer Bibliothek stehen zum Beispiel nur Bücher, die zuvor durch Lektoren und Verlag eine Qualitätskontrolle erfuhren. Eine Bibliothek selbst wählt die Bücher, die sie aufnehmen, nach bestimmten Richtlinien aus. Somit fehlt bei Informationen aus dem Netz, welche die Kinder und Jugendlichen erhalten und verarbeiten schlicht die Kontrolle durch Menschen im Vorfeld, die eine Ahnung von dem haben, um was es geht, was der Inhalt der Information eigentlich ist und ob die Informationen stimmen. Zumal im Netz jeder Mensch alles schreiben und veröffentlichen kann. Wenn man die lancierten Falschmeldungen durch Mitarbeiter der Trump-Wahlkampfteams, die Social bots (die sich die AFD bereits für den kommenden Wahlkampf vorbereitet hat) oder die Meinungsmacher diverser Regierungen unterschiedlichster Nationen im Netz kennt, muss man zwangsläufig zur Erkenntnis kommen, dass Informationen aus dem Netz zwingend zu überprüfen sind (und wir wissen, dass das selbst für uns schwierig ist). Viele Lernenden haben die erforderlichen Kompetenzen schlicht aber nicht. Wenn ich beobachte, wie meine Lernenden aus den 8.Klasse Schwierigkeiten mit der Informationsakquise bei einem webquest haben, dann bin ich mir leider sicher, dass sie ausführlich und ohne es zu merken via Twitter mit einem bot diskutieren würden oder schlicht einfach mal genau das glauben, was das Netz hergibt. Ich erinnere mich gut an die Situation im Unterricht (Projektarbeit zum Thema Luftfahrt Klasse 8) als mir ein Lernender auf meine Rückfrage, was die leicht bekleidete Dame auf dem HipHopFlyer zu bedeuten hat, dass das „dem Albrecht Berblinger seine Frau sei“. Nun, er hat bei Google „Albrecht Berblinger“ eingegeben und es war zufällig das Jubiläumsjahr, zu dem diverse Veranstaltungen in Ulm stattfanden. Unter Anderem auch diese HipHopParty. Es bleibt aber, dass er diese Information, dass diese Frau dem Schneider seine sei, bei ihm hängen bliebe und for real sei. Was bedeutet das aber in der Konsequenz für unsere Arbeit an der Schule?  Die Bildung der notwendigen Kompetenzen gehört zwingend in den schulischen Alltag. Wenn nur an zwei von fünf Schulen (Jim-Studie 2016) das Nutzen von Handys erlaubt ist, dann wundere man sich nicht darüber, dass es Platz nach oben gibt beim Umgang mit den Informationen, die die Lernenden durch das Medium erhalten. Die Kinder und Jugendlichen nutzen täglich bis zu vier Stunden das Smartphone. Es ist nur folgerichtig sie dabei zu unterstützen, mit den Hareausforderungen, Chancen und auch den Risiken umgehen zu können. Also liebe Lehrenden, nutzt die devices im Unterricht! Lasst euch nicht von den Zweiflern und Verhinderern erklären, dass das dumm und dick mache (Der Herr Spitzer hatte schon vor Jahren Unrecht). Es ist unsere Aufgabe die Kinder nicht allein zu lassen mit den Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Lasst uns trefflich diskutieren, wie wir das machen werden, welche tools wir nutzen und welche Schwerpunkte wir setzen. Die Kompetenz zur richtigen Einordnung und Überprüfung von Informationen aus dem Netz steht ganz oben auf der Liste. 

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