#nichtmituns Fragen an die liberale Demokratie – Blogparade

Über den Beitrag zur political correctness von Kollege Klinge kam ich zur blogparade von Bob Blume und wollte mich sofort beteiligen. Aus der Fülle an diskussionswürdigen und wichtigen Fragen habe ich mir die Frage nach Möglichkeiten der nachhaltigen Verankerung liberaler Gedanken in der Gesellschaft ausgesucht. Sie vereint viele Fragestellungen, die mir wichtig erscheinen, um darüber nachzudenken, warum der Rechtspopulismus und Rechtsextremismus so erstarken konnte und erstarkt.

Wenn ich darüber nachdenke, dann stellt sich mir die Frage, wo denn diese liberalen Werte hin sind. Waren sie nie da in der Mitte der Gesellschaft? Wie war das in der DDR? Warum ist der Rechtsextremismus im Osten stärker? Wo ist die solidarische Arbeiterklasse hin, die sich, auch und insbesondere mit den Gewerkschaften, der Solidarität mit den Armen verschrieb? Warum haben sich früher Arme für Arme eingesetzt und heute hat man eher das Gefühl, dass ein (vermeintlich) Armer einen Ärmeren sucht, um sich an ihm auszulassen und sich selbst zu erhöhen?

Eine Erklärung, die ich immer wieder in Lehrerzimmern und auf Schulfluren von Kollegen höre, ist, dass diese Menschen zu satt wären. Es ginge Ihnen zu gut, sie wissen das gute Leben nicht zu schätzen.

Sicher ist die Tatsache, dass Vieles an materiellem Wert verloren hat. Ein Smartphone zu besitzen scheint genauso ein Grundrecht Grundbedürfnis zu sein wie ein Flatscreen und eine Spielkonsole. Und es ist alles sehr kurzlebig und scheint nur in Konkurrenz und im Vergleich zu Anderen etwas zu gelten. Das ist ein Merkmal des Turbokapitalismus. Immer schneller und immer mehr. Vielleicht entsteht aus der erzwungenen Teilhabe am Turbokapitalismus eine Art innerer Zwang nach immer mehr. Und aus diesem Zwang entsteht Neid. Und ein nie als erfüllt geltendes Leben, weil das Ziel nie erreicht werden kann. Man kann niemals Alles besitzen, was man sich wünscht (oder als notwendig und unverzichtbar erklärt bekommt). Oder es entsteht so schlicht das Gefühl, dass man selbst eben zu wenig hat und vor Allem, dass die Anderen mehr haben oder mehr bekommen. Es wäre aber verkürzt zu sagen, dass materieller Neid und das Gefühl vom Abgehängtsein dazu führen, dass jemand eine rechte politische Haltung entwickelt.

Wenn wir darüber nachdenken, wie wir es schaffen, demokratische liberale Gedanken in der Bevölkerung zu verankern, dass komme ich sehr schnell zu unserer aktuellen Schülergeneration. Die Erwachsenen von Morgen, unter Umständen die, die in 15 Jahren z.B. über die innere Sicherheit oder auch meine Pension entscheiden können. Werte werden in ihren Grundlagen von drei Faktoren beeinflusst: der Familie, der Schule und den Medien.

Ein sehr wichtiger Faktor, dass Werte nicht mehr so auf dem Schirm zu sein scheinen, ist meiner Meinung nach, dass die Werterziehung in der Familie zunehmend nachlässt. Es scheinen Werte wie Solidarität oder Gleichberechtigung ins Hinterstübchen geraten sein in der Konkurrenz mit den materiellen Werten. Hier stimme ich größtenteils den Ausführungen von Michael Winterhoff in seinem Buch „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden“ zu, der die zu partnerschaftliche Erziehung verantwortlich macht für die Abwesenheit von Werten. 

Die Schule alleine kann das nicht alleine richten. Die Eltern sind in der Pflicht. Und hier schließt sich der Kreis. Die Eltern von Morgen sitzen gerade bei mir im Klassenzimmer. Die Schule kann sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen.

Und diese Erkenntnis bedeutet in der Konsequenz:

  • Sich selbst als Vorbild wahrnehmen in aller Konsequenz (Schulinterne Lehrerfortbildungen) 
  • mehr Demokratie und Partizipation in die Schule durch unterstützte und geförderte SMV-Arbeit, Klassenrat und Projekte 
  • Werte im unterrichtlichen Alltag als Unterrichtsthema 
  • Medienethik und Medienanalyse in der Schule 
  • Aktive Elternarbeit und der persönliche Einsatz im schulischen und privaten Alltag.  

Wir müssen uns wehren gegen das Erstarken der als „neue Werte“ der Rechten getarnte Wertelosigkeit. Diese Wertelosigkeit ist in der Lage unsere freie Gesellschaft zu gefährden. Ich bin aber zuversichtlich, wenn wir alle engagiert für die Freiheit und die Menschenrechte einstehen und die Wertebildung aktiv angehen, in der Familie, der Schule, der Jugendarbeit und der Öffentlichkeit, dann werden wir es schaffen unsere Gesellschaft demokratisch und liberal bestehen zu lassen. Und für diejenigen, die nicht erreichbar sind, haben wir immer noch einen unserer demokratischen Grundpfeiler: den Rechtsstaat. Und wegen dem sollten alle sich politisch engagieren. Jetzt kommt’s drauf an.

Meine Literaturtipps aus der Praxis:

Werte vermitteln – Werte leben, Günther Gugel

Praxisbuch Demokratiepädagogik, Bundeszentrale politische Bildung

Praxisbeispiel: Schulstadt „Uhlmanien“ in 2014

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