Bildung einfach tun.

„Bildung ist ein menschliches Grundrecht. Sie ist der Schlüssel zu nachhaltiger inner- und zwischenstaatlicher Entwicklung, Frieden und Stabilität und somit unverzichtbares Mittel für eine erfolgreiche Beteiligung an den Gesellschaften und Ökonomien des 21. Jahrhunderts (…).“
Erklärung des Weltbildungsforums Dakar, Senegal, 26. – 28. April 2000

„Niemand, der hier am Tisch sitzt, wäre fähig, eine Frittenbude zu führen.“
Howard Florey (1898 – 1968) zum leitenden Lehrkörper des Queen’s College in Oxford, dem er als Dekan angehörte; britischer Pathologe und Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie

„Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.“
Herbert Spencer (1820 – 1903) britischer Philosoph und Soziologe

Das Ziel ist es also, die Lernenden zu befähigen whatever zu tun. Jawoll: zu tun.

Nicht zu wissen. Das, was in der Fachdiskussion Praxisbezug heißt, das sollte das Normale, die Gewohnheit sein. Wir oft werden Lehrende gefragt: „Warum soll ich das lernen?“ oder „Was bringt mir das später?“. Es steckt die gesamte Wahrheit in diesen Fragen. Sie bedeuten alles. Die Frage nach dem Sinn stellt sich und muss beantwortet werden. Am besten mit konkreten Erfahrungen, so wie das beispielsweise Kollege Stoll hier twittert:

Screenshot (149).png(screenshot https://twitter.com/180gradflip/status/853149009749430272).

„Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen haben, was wir gelernt haben.“
Edward Wood Lord Halifax (1881 – 1951) britischer Staatsmann

Was tun die Lernenden? Am Beispiel einer Projektaufgabe in Technik, Klasse 9. Aufgabe: „Stellt ein Auto her, welches nur durch eine Mäusefalle angetrieben wird.“. In meiner Schulzeit wäre dies noch ein schwieriges Unterfangen gewesen. Heute haben die Lernenden alle Möglichkeiten. „Dürfen wir das smartphone nutzen?“. Klar. Und was machen die Lernenden, ganz selbstverständlich und doch so bedrohlich für die meisten der Lehrenden? Sie nutzen Suchmaschinen und finden schnell YouTube-Tutorials (z.B. die Sendung mit der Maus) und sammeln Wissen. Sie verfügen über individuelle Problemlösestrategien und digitale Möglichkeiten. Es soll KollegInnen geben, die dies schrecklich und völlig kontraproduktiv finden. Mitnichten ist das schrecklich und kontraproduktiv. Die Lernenden müssen die richtigen Werkzeuge in der Werkstatt finden und entsprechend einsetzen (eine Metallsäge sägt nunmal sehr schwer Holz), sie müssen verstehen, warum das Mäusefallenauto so funktioniert wie es funktioniert, sonst werden sie es nicht schaffen Probleme und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Und wenn wir es dann noch schaffen die gesammelten Erkenntnisse allen Lernenden zugänglich zu machen, dann haben wir alles was wir wollen. Wir haben eine positive emotionale Verknüpfung mit Wissen, ein Erlebnis mit Aha-Effekt.

Die 4K sind Teil der Fachdiskussion, die ich auf twitter immer wieder undsehr gerne verfolge. Sie stehen für Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Mir selbst sind, bei aller möglichen Kritik an diesem Modell, Kommunikation und kritisches Denken die wichtigsten K. Kommunikation ist das A und das O. Ohne Kommunikation geht der Mensch, das soziale Wesen, bitterlich ein. Wir sind auf Komunikation angewiesen und ausgerichtet. Was also liegt näher als Kommunikation zu fördern und zu professionalisieren. Die Lernenden müssen sich mit (digitaler) Kommunikation auseinandersetzen und können (wie alle Anderen auch) nur dazulernen. Als bereits praktizierender Pädagoge vor dem Lehrberuf halte ich die Fähigkeit gezielt und vernünftig zu kommunizieren für eine der bedeutenden soft skills, über die junge Menschen verfügen müssen um für die Zukunft gerüstet zu sein. Das kritische Denken. Keiner mag es eigentlich. Mündige Bürger sollen sie alle werden. Aber kritisch? Andersdenkend? Ach nö. Ein von mir hoch geschätzter Kollege Dejan Mihajlovic führt als eine Projektschule ein Projekt durch, welches ich als bespielhaft empfinde. So müssen wir es machen. Wir müssen Partizipation fördern, nicht eingrenzen und verhindern. Mit allen Konsequenzen, die das für den althergebrachten Schulalltag haben könnte.
Es gibt an der Schule verschiedene Möglichkeiten kritisches Denken zu fördern und zuzulassen. Eine ist die SMV (Schülermitverantwortung). In diesem Rahmen können die Lernenden aller Altersstufen Demokratie und Debatte üben und ausprobieren.

Eine andere Möglichkeit ist es Diskussion und Kritik zu üben und zu fördern. Hier beschreibt der paukerblog anschaulich, wie schwer sich Kollegien mit Feedback tun. Feedback ist aber nur der Anfang. Wenn wir es ernst meinen mit dem Ziel die jungen Menschen zu befähigen sich selbst in der Welt zurecht zu finden, mündige DemokratInnen zu sein und vor Allem sich gewinnbringend in der digitalen Welt zu bewegen, dann muss das kritische Denken ganz oben stehen. Zu wissen was eigentlich Programmieren ist oder was Big Data, das ist das eine.

Das viel wichtigere aber noch ist: was bedeutet das für mich, für meine Familie, für meine Umwelt und die Zukunft? Was folgt für mich daraus, was tue ich?

Genau das brauchen wir.

Und dann noch so ein zwei Lehrende, die diese Vision auch teilen. Die kritisches Denken nicht als Gefahr, sondern als Chance und Gestaltung der Zukunft sehen.

„Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“

Marie Curie (1867-1934) polnisch-französische Physikerin, Nobelpreis für Physik 1903, Nobelpreis für Chemie 1911

(alle Zitate von https://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/zukunft-bildung/)

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