Filmkritik #DecknameJenny #filmfestbc

Heute habe ich mit einem guten Freund einen Film bei den Biberacher Filmfestspielen gesehen.

Im Anschluss an den Film traf ich im Foyer zwei bekannte Damen, mit denen ich darüber diskutierte, ob der deutsche Film machmal durch handwerklich unsaubere Beleuchtung oder andere „Schnitzer“ vom Inhalt ablenkt oder ob wir einfach zuviel Hollywood-Blockbuster-Weichspülfilme schauen.

Bei „Codename Jenny“ könnte man sicher auch die ein oder andere Szene finden, die durch nicht ganz handwerklich saubere Beleuchtung oder Schauspielleistung glänzt, aber darum geht es diesem Film und in diesem Film nicht. Er ist toll.

Link zum Teaser
Worum geht es im Film? Die Homepage der Biberacher Filmfestspiele schreibt: „Angesichts ungerechter Machtverhältnisse und gesellschaftlicher Missstände entscheidet sich unsere Hauptfigur Jenny gemeinsam mit anderen Mitstreiter*innen zum Handeln in einer militanten Gruppe, die etwas unternehmen und nicht nur mehr zuzuschauen möchte. Jennys Vater wird ebenfalls zum Handeln gezwungen und muss sich seiner Vergangenheit stellen, mit der er längst glaubte, abgeschlossen zu haben.“

Die Homepage zum Film schreibt: „„Jenny“ und ihre Bande wollen nicht mehr zuschauen: Flüchtlinge an den Zäunen Europas, eingesperrt in Lagern. Doch als „Jennys“ Vater deren militanten Ambitionen zufällig herausfindet wird er ebenfalls zum Handeln gezwungen. Er muss sich seiner radikalen Vergangenheit stellen, mit der er längst glaubte abgeschlossen zu haben. Der Deckname „Jenny“ scheint zweifelsohne der jungen Aktivistin zu gehören doch die klare Zuordnung des Decknamens verschwimmt plötzlich immer mehr je gefährlicher es für alle Beteiligten wird. Eine Geschichte zwischen Liebe und Verrat, Hoffnung und Resignation, Widerstand und Freundschaft.“

In diesem sehr erfrischenden Film habe ich mich wiedergefunden, als Jugendlicher und der, der ich heute bin. Es ist faszinierend, wie dieser Film zwei Ebenen darstellt. Die Ebene der jetzt erwachsen werdenden Generation und die der Mütter und Väter. Ich fühlte mich gleichermaßen retrospektiv und in meiner aktuellen Lebenssituation angesprochen.

Die Quintessenz des Filmes ist die Frage: Was würdest du tun, wenn deine politische Einstellung an einem Scheideweg steht – wenn du die Entscheidung treffen musst, wählst du den militanten Weg? Wie wirst du die Welt verbessern?“

Im anschließenden Gespräch mit dem Filmemacher und drei Schauspielern wurde klar, dass wir uns von Arschlöchern abgrenzen müssen (O-Ton im Publikumsgespräch nach dem Film). Wie erfrischend Jörg Messerschmidt (im Film Jäntsch) im Publikumsgespräch formulierte: „Links ist immer radikal. (..) Es geht um Menschlichkeit. Während wir hier sitzen passieren Dinge, die keiner will, die nicht in Ordnung sind.“. Man müsse sich entscheiden, ob und wie man etwas tue. Heutzutage schauen die jungen Leute alle in ihre viereckigen Bildschirme? Nein, nicht alle. Er mache auch positive Erfahrungen im Kampf gegen Immobilienhaie in Berlin.

Was bleibt also von „Codename Jenny“?
Die Erkenntnis, dass es nicht der Weisheit letzter Schluss ist in der Flüchtlingskrise Blumen zu pflanzen. Es bleibt die Erkenntnis sich jeden Tag die Frage zu stellen: „Was tue ich, damit diese Welt besser wird?“. Und diese Frage auch jeden Tag zu beantworten. Vor sich selbst.

 

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