Einfach groß werden (können)! Ein paar Gedanken zur Blogparade #AUGENHÖHEschule

AUGENHÖHEmachtSchule ist alleine schon ein toller Name. Ich mag diesen Begriff der Augenhöhe. In den barcamps, die ich in der Erwachsenenbildung moderiere und anleite, ist mir diese Haltung eine sehr wichtige und es zeigt sich in jedem barcamp, dass genau diese hierachiefreie Weise miteinander zu kommunizieren die richtige ist. Auch im Unterricht versuche ich diese Haltung umzusetzen.
Wie soll Schule sein? In der Schule soll das Groß-werden Spaß machen, es soll cool sein, etwas zu verstehen, zu lernen und zu trainieren. Es soll aber auch Zeit zum Chillen, für den Müßiggang sein, eben jeder nach seiner Fasson. Und diese Ziele sind mit dem derzeitigen System schwer umsetzbar. Bildung soll auf das Leben vorbereiten, umfassend und lebensweltbezogen.

Wie aber sollen wir das machen? Wir brauchen Mut. Für Entscheidungen, die immer große Würfe sind sein müssen.

Wenn beispielsweise Maria Montessori sagte, dass Jugendliche sich in einer Epoche der sozialen Sensibilität für soziale und gesellschaftliche Prozesse befinden und in sozialen Beziehungen leben, soziale Verantwortung übernehmen und als unabhängige Personen ernst genommen werden möchten, dann hatte sie recht. Dazu erklärte sie, dass die jungen Menschen irgendwo auf dem Land arbeiten und intellektuell lernen sollten. Welche Lehrenden, die die Klassen 7 oder 8 unterrichten, würden dies nicht unterschreiben? Die Pubertät und alle damit einhergehenden Veränderungen sind nicht kompatibel mit dem herrschenden Schulsytem. Also warum tut man es denn dann nicht? Warum arbeiten die SchülerInnen nicht bei der Obsternte in Tirol und warum werden nicht flächendeckend so beeindruckende Projekte wie die „Herausforderung“ der evangelischen Schule Berlin umgesetzt?

Sollte man in die Lage versetzt sein, mal einen Blick und ein Ohr in ein Lehrerzimmer der Republik werfen zu können, dann würde man sich manchmal nicht wundern, warum die Bildung in dieser Verfassung ist. Wenn auf Twitter einzelne KollegInnen sich über SchülerInnen-Antworten oder Ereignisse lustig machen, dann ernten sie durchweg konsequenten Widerspruch und das ist auch richtig so. Dieses Netzwerk habe ich mir aber selbst zusammengestellt, das ist in einem Kollegium nicht möglich. Eine verbeamtete Lehrkraft, analog wie in der Wirtschaft, entsprechend ihrer Leistung zu behandeln, ist nahezu nicht möglich. Eine Wertschätzung gelingender und engagierter Arbeit Einzelner ist monetär oder karrieretechnisch nicht oder sehr selten möglich. Die Kollegin, die immer wieder ins Schullandheim geht erhält den gleichen Sold wie die Kollegin, die sich seit Jahren darum drückt. Lehrende, die sich für SchülerInnen trotz oder vielleicht gerade wegen der delinquenten Haltung einsetzen, werden nicht honoriert, sondern oftmals als Gutmenschen dargestellt. Die Chance, die in all dem steckt? Warum schaffen wir keine Möglichkeit, dass verbeamtete Lehrkräfte Honorierungen für engagierte und zukunftsweisende Arbeit erhalten können? Warum werden bestimmte Tätigkeiten/Aufgaben nicht zusätzlich monetär entlohnt? Gerade die Bildung sollte es die Gemeinschaft doch wert sein.

Echte Vorbilder sind kongruent, sie sind Menschen, die sich bewusst für ihre Arbeit entschieden haben. Man muss junge Menschen durchaus mögen, wenn man einen Beruf in der Bildung ergreift. Da liegt der Stein der Weisen in der LehrerInnenausbildung. Es gibt keine wirklichen Assesments, kein Auswahlverfahren. Ein Naturtalent in Geologie wird nicht zwangsweise ein guter Lehrer für Erdkunde. Es geht vielmehr um Empathie, um die Fähigkeit pädagogisch wirken zu können, darum zu sehen, wann wo welche Unterstützung nötig ist. Ich habe schon viele Diskussionen darüber geführt, warum Herr Müller in den Filmen „Fack ju Göhte“ eine so beliebte Lehrerfigur unter Jugendlichen darstellt. Der Schlüssel ist die Kongruenz. Die Lernenden merken es sehr gut, wenn man es ehrlich meint. Und wenn man man selbst ist.

So habe ich jetzt in aller Kürze zwei Baustellen skizziert, die vieler helfender Hände bedürfen. Die großen Würfe (Projekte) und die Lehrenden. Meine Gedanken zum „Was sollten wir tun?“ im Rahmen dieser blogparade und zum (möglichen) Gelingen von Bildung in der Zukunft:

  • Den Schwerpunkt der Lehrendenausbildung auf pädagogische Kompetenzen, Empathiefähigkeit und Frustrationstoleranz (ohne das fachliche Wissen zu vernachlässigen) legen.
  • Projekthaftes Arbeiten inm gesamten Schulalltag verankern, teilweise Auflösung von Fächern. Konsequentes Projektarbeiten in den Klassen 7/8 festlegen.
  • Der Einsatz moderner digitaler Möglichkeiten unter Berücksichtigung der 4K ist Standard.
  • Die Schaffung einer konsequent basisdemokratischen Schule, die von allen am Schulleben Beteiligten Verantwortung und Mitarbeit abverlangt.
  • Die Schaffung der Möglichkeiten von (u.A. monetären) Entlohnungen von Zusatztätigkeiten von Lehrenden (leistungsorientierte Bezahlung).
  • Der Einsatz von Sanktionsmaßnahmen bei nicht erfolgter elterlicher Fürsorge wie beispielswiese dem Fernbleiben bei Elternabenden gegenüber Eltern (Ordnungsgeld bis zur Kürzung des Kindergeld).
  • Der Einsatz von „Top-Managern“ zur Führung der einzelnen Schulen, die nicht durch tagelanges Ermitteln von Statistiken gehemmt werden dürfen, sondern visionär vorangehen können.
  • Ausreichende finanzielle Mittel für jede Schule bereit zu stellen.

Ich freue mich auf die kommende Diskussion zu meinen sich im Fluß befindlichen Gedanken. Nur mit Nachdenken und Engagement wird sich etwas bewegen.Und übrigens, unterstützt dieses Projekt !

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