Terror – eine Buchempfehlung

Ich bin vorgestern in der Stadt an meinem Lieblingsbuchladen vorbeigelaufen und habe mir endlich das Buch „Terror“ von Ferdinand von Schirach gekauft.

Ich erinnere mich lebhaft an die Diskussionen über den Fernsehfilm, habe ihn aber noch nicht gesehen. Man kann ihn derzeit bei netflix ansehen.

Das Buch ist ein Theaterstück zum Lesen. Es geht um die Situation, dass ein Passagierflugzeug von einem Terroristen gekapert wird. Das Ziel ist es das Flugzeug in die vollbesetzte Allianz-Arena in München stürzen zu lassen. Wie es in einem solchen Fall vorgesehen ist steigen zwei Kampfmaschinen auf um die Maschine zum abdrehen zu zwingen. Dies schaltet und ein Kampfpilot schießt das Flugzeug in letzter Minute gegen den Befehl des Vorgesetzten ab. Dieser Pilot muss sich nun vor Gericht verantworten. Die Besucher*innen des Theater sind die Schöffen.

Das Buch zwingt die Leser*innen dazu Stellung zu nehmen. Stellung zu nehmen zur Frage, ob es legitim ist zur Rettung vieler wenigere zu töten. Ob es Fälle geben kann, in denen sich einzelne zum Wohle vieler über das Gesetz stellen. Ich habe im Ethikunterricht immer wieder mit den Schülern verschiedene Dilemma-Situationen diskutiert. Da gibt es viele bekannte und es geht immer um das ethisch richtige Verhalten. Eines der bekanntesten ist das sogenannte Gleis-Dilemma:

Auch das Heinz-Dilemma ist recht bekannt. Hier geht es um die Frage, ob kriminelles Handeln zur Rettung eines Lebens gerechtfertigt sein kann.

Man kann viel darüber diskutieren, was man tun würde. In der Ethik geht es aber darum, sich zu fragen, was wir richtigerweise tun sollten. Es bleibt immer die Frage stehen, was denn das richtige Verhalten nun wäre. Und genau darum geht es im Buch.

Es stellt sich nicht die Frage, was ich tun würde. Es geht nicht darum, ob ich es schaffen würde die Rakete abzufeuern. Es geht um die Frage, wie wir in der Zukunft leben wollen. Kann man Gewalt gegen Gewalt aufrechnen? Gibt es gute Gewalt? Kann weniger für mehr Leben aufgewogen werden? Gilt nicht: „Rette ein Leben und du rettest die Menschheit“? Dürfen wir die Freiheit opfern um vermeintlich für sie zu kämpfen?

Im Anhang an das Buch findet sich eine sehr gute Rede des Autors zur Verleihung des M100-Sanssouci Medienpreises an Charlie Hebdo, in der er zum Ende Benjamin Franklin zitiert: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Ein wahrhaft schwieriges, anstrengendes und zugleich wunderbar philosophisch aufrüttelndes schreckliches Buch.


Durchaus interessant ist es, sich mit einem kurzen Selbsttest eine Einschätzung zu holen und sich mit fünf Dilemmas zu konfrontieren.

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